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„Flüchtlinge und Vertriebene an Rhein, Ruhr und Weser"

Eine dreiteilige Dokumentationsreihe
von Erika Fehse, Heike Mund und Carsten Günther

 
 




Ankunft im Westen (Teil 1)
Ein Film von Erika Fehse
Ab 1945 kommen Vertriebene aus Pommern, Schlesien, Ost- und Westpreußen, aus Siebenbürgen und dem Sudetenland - erst zu Hunderten, dann zu Tausenden an den Bahnhöfen in NRW an. Im Gepäck ein Federbett, das Sparbuch, ein paar Habseligkeiten. Wochenlang waren sie unterwegs, eingepfercht in Viehwagons und Güterwagen.
Wohin soll man sie bringen? Rheinland und Westfalen sind selbst vom Bombenkrieg schwer getroffen.

Keiner hat die Ankömmlinge vorbereitet auf das, was vor ihnen liegt. Ebenso wenig die Einheimischen, die nun zusammenrücken sollen. Marianne H. kommt schon 1945 als Flüchtling in Weilerswist an und wird von einem Hilfspolizisten bei Einheimischen einquartiert: „Da wohnten Leute, die ahnten nichts davon. Wir standen da, und der Polizist hat ihnen nur gesagt: ’Wir beschlagnahmen jetzt ein Zimmer. Hier sind Flüchtlinge und die haben Sie aufzunehmen.’ Das war eine Katastrophe für die Leute. Für uns auch. Es war nicht schön."

Eine erste Begegnung zwischen Vertriebenen und Einheimischen, wie sie überall nach dem Krieg stattfindet. Manche Neuankömmlinge werden freundlich und mitleidig aufgenommen, viele aber auch abgelehnt und angefeindet.

Doch es hilft nichts – man wird auf Dauer miteinander auskommen müssen. Margarete M. aus Niederschlesien, die 1946 in Grevenbroich landet, erinnert noch genau, wie es ihr ging, als sie das begriff:
„Da ist eigentlich der Schock bei mir gekommen. Also da habe ich geheult wie ein Schlosshund und das eigentlich, muss ich sagen, seit... Also, als die Russen kamen und Polen kamen, ich habe in der ganzen Zeit keine Träne vergossen. Aber dann, wie wir hier auf genommen wurden, bei unseren Landsleuten, mit dem Gefühl hier musste bleiben, das war wie ein Nervenzusammenbruch. Das war furchtbar."

Und es gibt allüberall Streit um das richtige Bekenntnis, denn Katholiken und Protestanten müssen plötzlich Tür an Tür miteinander leben, müssen sich Kirchenräume, Schulen, Friedhöfe teilen.
„Als wir hier ankamen, kam auch die Frage: 'Sind Sie katholisch?' 'Nein, sind wir nicht'. Und da wurde gesagt: 'Die sind ja auch Menschen'. Das kam uns schon ein bisschen komisch vor“, erinnert sich Christa P., die 1946 in Rhede auf dem Bahnhof steht. Erich L., der im selben Jahr in Neuenkirchen strandet, weiß noch, dass die evangelischen Toten nicht durch den Haupteingang des katholischen Friedhofs zum hinteren, neu eingerichteten evangelischen Teil getragen werden durften, sondern hintenrum über den Zaun gehoben werden mussten.

In einigen Gegenden werden die Vertriebenen aber auch mit offenen Armen empfangen, denn sie bringen eigene Gewerbezweige mit und schaffen neue, dringend benötigte Arbeitsplätze. Zum Beispiel die sudetendeutschen Glasveredler, die nach Rheinbach geholt werden und dort sogar eine ähnliche Mentalität wie daheim vorfinden. Gerlinde H., die 1948 in Rheinbach ankommt, erinnert sich
„Was uns vielleicht in bisschen geholfen hat, einander schneller näher zu kommen, das war diese Art Humor, wie er hier üblich ist und wie er auch bei uns zu Hause üblich war. So gegenseitig einen Schabernack spielen und das nicht übelnehmen."

Fünf Jahre nach Kriegsende leben in NRW etwa 1,3 Millionen Vertriebene und Flüchtlinge

Fotorechte: Stadtarchiv Lippstadt

Kamera: Jörg Fenske
Ton: Frank Emonds
Schnitt: Heide Supper
Musik: Mike Herting

Hier gibt es die DVD

Link zur WDR-Seite

Heimweh und Hoffnung (Teil 2)
Ein Film von Carsten Günther

Eine neue Heimat (Teil 3)
Ein Film von Heike Mund

 
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