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„Deutschenkinder in Norwegen”

In der Sendereihe „Mein Vater, der Feind (2)”

 
DeutschenkinderDeutschenkinderDeutschenkinder
Deutschenkinder

Pressetext:
1940 – es herrschte Krieg. Die Deutschen besetzten Norwegen. Viele der deutschen Soldaten wurden bei einheimischen Familien untergebracht, der Feind wurde zum Menschen. Die SS begrüßte deutsch-norwegische Liebesbeziehungen, galten Norwegerinnen doch als besonders arisch. Die meisten Nachbarn vor Ort hielten von solcherlei „Fraternisierung“ jedoch gar nichts. Lockere Beziehungen zum anderen Geschlecht waren per se geächtet, intime Beziehungen zum Feind undenkbar.

Als die Deutschen 1945 abzogen, hinterließen sie etwa 8-12.000 Kinder. Die galten als lebender Beweis des Landsverrates und hatten schwer zu kämpfen – vor allem mit dem (Ver)Schweigen. Sie selber nennen sich „Kriegskinder".

   

Wie zum Beispiel Greta. Nach Kriegsende emigrierte ihre Mutter nach Schweden, denn dort wusste niemand, dass sie ein „Deutschenflittchen“ war. Greta wuchs bei ihrer fürsorglichen Großmutter auf. Das Haus war klein, die Familie arm. Greta war fünf Jahre alt, als Ihre Großmutter ihr erzählte, ihr deutscher Vater sei tot – umgekommen am Ende des Krieges. In der Schule hatte Greta es schwer – vom Lehrer und den Mitschülern wurde sie gemobbt. Die „Deutschenkinder“ waren gesellschaftlich geächtet.

Vor einigen Jahren schloss Greta sich dem Kriegskinderverband an, einer Selbsthilfeorganisation, die sich vorgenommen hat, das Schweigen zu brechen, die Kriegskinder bei der Suche nach den eigenen Wurzeln zu unterstützen. Greta wollte nach möglichen Verwandten in Deutschland suchen. Dabei half ihr Josef Focks. Zwei Jahre später das Unglaubliche. Sie saß auf dem Schoß ihres deutschen Vaters – den sie so vermisst hatte und von dem sie geglaubt hatte, er sei tot.

   

Auch Turid wollte mehr wissen über sich und ihre Eltern. Sie wuchs bei einer Adoptivfamilie in Schweden auf. Man hatte ihr gesagt, ihre leibliche Mutter sei in einem deutschen Konzentrationslager umgekommen. Erst mit 52 Jahren erfuhr sie, dass ihre Mutter all die Jahre in Norwegen lebte, dass ihr Vater ein deutscher Besatzungssoldat war und sie als Baby einige Zeit in einem Lebensbornheim in der Nähe von Bremen verbrachte. Ein Schock.

Sie forschte in Archiven und wurde fündig. Nach der deutschen Kapitulation galten die „Lebensbornkinder“ aus Norwegen als "displaced persons". Nach dem Willen der Alliierten sollten sie nach Hause zurück gebracht werden. Doch die norwegischen und schwedischen Behörden verständigten sich darauf, sie stattdessen nach Schweden zur Adoption zu geben. Die Kinder erhielten teilweise neue Namen, die wahre Identität wurde verschleiert und aus norwegischen Besatzerkindern wurden staatenlose KZ-Überlebende. Die Behörden glaubten, mit dieser Legende leichter Adoptiveltern für sie zu finden. Als Turid ihre wahre Geschichte aufdeckte, ist sie entsetzt.

   

Margrethe erfuhr die Wahrheit über ihre Herkunft im Alter von 12 Jahren. Auch sie war schockiert. Alles war anders als sie glaubte. Die Frau zu der sie Tante sagte, war in Wirklichkeit ihre leibliche Mutter und die, die sie Mama nannte ihre Großmutter. Zudem erzählte man ihr, dass sie in Wuppertal zur Welt gekommen ist, einen deutschen Vater hat und eine Halbschwester in Nürnberg.

Auch in Nürnberg war das Thema Tabu. Zwar hörte die Halbschwester Marie Luise, dass ihr Vater in Norwegen ein Kind gezeugt hatte. Lange vor der elterlichen Ehe – während des Krieges. Doch weiter wurde darüber nicht gesprochen. Über 60 Jahre nach Kriegsende beschließt Marie Luise ihre Halbschwester in Norwegen zu suchen. Und sie hat Glück.

Die Filmemacherin Erika Fehse begleitet die beiden Halbschwestern während ihres ersten Treffens. Zum Schluss wird Margrethe sagen: „Mein Leben ist vollkommen - nach dem, was passiert ist.“

Kamera: Jürgen Dahlhoff
Ton: Florian Pankarz
Schnitt: Angela Oechler
Dolmetscherin: Marlis Ehl
Redaktion: Gudrun Wolter

Literaturtipps:

Drolshagen, Ebba D.
"Wehrmachtskinder – Auf der Suche nach dem nie gekannten Vater"
ISBN 3-426-27357-8
Droemer, 2005

Olsen, Kåre
"Vater: Deutscher - Das Schicksal der norwegischen Lebensbornkinder und ihrer Mütter von 1940 bis heute"
ISBN 3-593-37002-6
Campus, 2002

   
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