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"Alt, verliebt – und immer noch kämpferisch"

In der Reihe ‚Menschen hautnah‘
 
Foto Foto Foto Foto Foto Foto Der 77-jährige Klaus ist ein Mann, der niemals aufgibt. Seit langem kämpft er gegen die Zwangsversteigerung seines Wohnhauses: Mit Prozessen, Eingaben, Beschwerden, Befangenheitsanträgen, Widersprüchen und Strafanzeigen. Seine Freundin Ursula ist sein rettender Engel. Zwei Jahre nach dem ersten Film über das ungewöhnliche Liebespaar zeigt Menschen hautnah, wie ihre Geschichte weitergeht.

Als sich die beiden 2010 kennenlernten, steckte Klaus mit seiner Batteriefirma in großen finanziellen Schwierigkeiten. Die Sparkasse verlangte, dass er wegen seines Alters einen Nachfolger findet – vergeblich. Kredite wurden gekürzt, seine Firma machte Verluste. Es folgten Insolvenz, Kontopfändung und im Februar 2013: die Anordnung zur Zwangsversteigerung seines Privathauses.

Die drei Jahre jüngere Ursula hat Geld, finanzierte all seine Prozesse und ein Gutachten des Kontosachverständigen Hans Peter Eibl. Laut diesem Gutachten habe die Sparkasse rund 422.000 Euro zu viele Zinsen kassiert - innerhalb von 10 Jahren. Klaus fühlt sich betrogen, glaubt, dass er gar nicht hätte insolvent werden müssen, wenn die Sparkasse richtig abgerechnet hätte. Doch das Gutachten wird von den Gerichten nicht überprüft - mit unterschiedlichen Argumenten.

Auch eine Anzeige gegen die Sparkasse läuft ins Leere. Denn für einen Anfangsverdacht, dass die Sparkasse bewusst und vorsätzlich gehandelt hätte, lägen keine Anhaltspunkte vor - so die Staatsanwaltschaft. Bei einem Treffen mit dem Rechtsanwalt Dr. Olaf Methner wird deutlich, dass man das auch ganz anders sehen kann. Methner ist Spezialist in Sachen Zinsfalschberechnung, hat seine Dissertation darüber geschrieben und beschäftigt sich seit Jahren mit den unseriösen Methoden der Finanzbranche.

Klaus lässt nichts aus, schreibt alle Institutionen an, von denen er glaubt, dass sie ihm helfen könnten. Sogar an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Er hofft, dass man dort vielleicht noch eine einstweilige Verfügung gegen die Versteigerung seines Hauses erlassen könne. Rechtsanwalt Holger Hembach muss ihn enttäuschen, sieht aber eine kleine Chance für eine Beschwerde. Schließlich gibt es den Artikel 13 der Europäischen Menschenrechtskonvention: Jeder Mensch hat das Recht auf ein effektives Rechtsmittel. Und bislang hat sich kein Gericht mit dem Gutachten des Kontosachverständigen wirklich auseinandergesetzt.

Im Juli 2016 ist es dann so weit. Die Gerichtsvollzieherin hat für 11 Uhr die Räumung angekündigt. Klaus jedoch ist davon überzeugt, dass sie gar nicht räumen darf. Er weigert sich bis kurz vor dem Termin, ein Umzugsunternehmen damit zu beauftragen, sein Hab und Gut nach Witten, ins Haus seiner Lebensgefährtin Ursula bringen zu lassen.

Klaus ist ein Dickschädel – von Kindesbeinen an. Sein Vater hat ihn als Kind oft gedemütigt, erniedrigt, sagte immer wieder: „Alles, was du mal wirst, das fängt mit „Hilfs-“ an: Hilfsarbeiter, Hilfszeitungsausträger und, und, und…“ Der Vater schlug ihn grün und blau. Einmal hat er ihm ein Brett mit Nägeln in den Rücken gerammt, so dass er blutete. „Und das hat bei mir in Jahren einen inneren Widerstand ausgelöst. Ich habe immer Widerstand geleistet. Und je älter ich wurde, umso mehr Widerstand.“ Die Angst, vernichtet zu werden, sitzt tief und ist allgegenwärtig. Ursula bleibt an seiner Seite: „Wir sind ein Paar, wir lieben uns, wir stehen das gemeinsam durch.“

Dank an alle Mitwirkenden!


Weitere Infos unter:
Hans Peter Eibl
Holger Hembach
Dr. Olaf Methner
Link zu FOCUS online: Wie Banken systematisch mit den Zinsen tricksen
Link zu WIWO: Die Finanzaufsicht BaFin untersucht zahlreiche Beschwerden



Buch und Regie: Erika Fehse
Kamera: Mona Eise, Sabine Filser, Peter von Saghy
Ton: Michael Grings, Thomas Schmidt, Silke Zeiller
Schnitt: Ewa Jankowska
Musik: Jens Hafemann
Sprecherin: Christiane Wedel
Produktion: Axel Greinert, Holger Koopmann
Redaktion: Ulrike Schweitzer, Martin Suckow

 
   
 


 


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